Windparks im Meer

>> Mar 10, 2010

Handelsblatt 09. Mrz. 2010

Helgoland setzt auf Windparks im Meer

Schleswig-Holstein will die Hochseeinsel Helgoland zum Stützpunkt für die Offshore-Windparks ausbauen, die derzeit von mehreren Energiekonzernen in der Nordsee geplant und gebaut werden. Dem Vorhaben stehen jedoch noch mehrere Hürden im Weg.

von Frank M. Drost, Peter Müller und Klaus Stratmann

BERLIN. „Wir müssen rechtzeitig die Weichen stellen, damit die Gemeinde Helgoland vom Boom der Offshore-Windparks in der Nordsee während der nächsten Jahrzehnte profitiert“, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) dem Handelsblatt. Das Bundesland werde die Koordinierungsrolle zwischen Bund und Ländern übernehmen, um rechtliche Hürden für einen entsprechenden Ausbau der Hafenanlagen der Nordsee-Insel zu beseitigen und eine Lösung für die Finanzierung zu finden. Helgoland habe gegenüber Konkurrenzstandorten wie zum Beispiel Esbjerg in Dänemark den Vorteil, näher an den Windparks zu liegen, betonte de Jager.

Hintergrund des Vorstoßes sind Planungen des Unternehmens RWE Innogy, bis zum Jahr 2013 den Offshore Park „Nordsee Ost“ zu errichten, 35 Kilometer nördlich von Helgoland. Das Unternehmen will 48 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 295 Megawatt installieren. Sie sollen pro Jahr etwa 1,1 Mrd. Kilowattstunden Strom erzeugen. Das entspräche dem Stromverbrauch von 310 000 Haushalten.

Neben RWE plant auch WindMW aus Bremerhaven zwei Windparks nordwestlich von Helgoland mit zusammen etwa 80 Windenergieanlagen. Die Bauarbeiten hierfür sollen im Jahr 2012 beginnen. Beide Unternehmen wollen Helgoland als Servicehafen für ihre Windparks nutzen. Von Deutschlands einziger Hochseeinsel aus soll vor allem die Wartung der Anlagen erfolgen. Für die Inselgemeinde würde das etwa 80 Arbeitsplätze bringen. Auf Helgoland leben etwa 1 300 Menschen.

Der Ausbau der Offshore-Windkraft in Nord- und Ostsee ist einer der zentralen Bausteine zur Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung. Derzeit kommen 16 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen. Bis 2020 sollen es 30 Prozent werden. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die Regierung besonders auf die Windkraft. Allein Windräder auf hoher See könnten den Prognosen der Bundesregierung zufolge 2030 bereits 15 Prozent des deutschen Strombedarfs decken.

Allerdings gestaltet sich der Aufbruch ins Offshore-Zeitalter schwierig. Ende 2009 ging mit „Alpha Ventus“ zwar der erste deutsche Offshore-Windpark in Betrieb. Älteren Prognosen zufolge hätten sich Ende 2009 aber weitaus mehr Windräder in Nord- und Ostsee drehen müssen. Aus ökologischen Gründen – etwa zum Schutz des Wattenmeeres – werden die Anlagen nicht küstennah, sondern im offenen Meer gebaut. Das ist technisch und logistisch äußerst anspruchsvoll. Vor den Küsten Großbritanniens oder Dänemarks sind die Bedingungen erheblich besser: Die Windräder können küstennah gebaut werden.

Helgoland könnte nun als logistisches Zentrum große Bedeutung gewinnen. Dem Vorhaben stehen jedoch noch mehrere Hürden im Weg, die Wirtschaftsminister de Jager ausräumen will. Zum einen müsste ein entsprechender Stützpunkt auf der Insel ausgebaut werden. Das in Frage kommende Gelände im Süden der Insel befindet sich derzeit im Besitz mehrerer Bundesbehörden, unter anderem der Bundeswehr und des Bundesverkehrsministeriums. De Jager will erreichen, dass die entsprechenden Flächen in den Besitz der Gemeinde Helgoland übergehen. Problematisch ist daneben auch die Finanzierung des Hafenausbaus. Der Kreis Pinneberg, zu dem Helgoland gehört und die beteiligten Landesministerien Wirtschaft, Inneres und Finanzen prüfen derzeit, ob die nötige Vorfinanzierung durch die Gemeinde über die Gewerbesteuer-Einnahmen der Windparks refinanziert werden könnten. Die Kosten des Hafenausbaus bezifferte de Jager mit etwa zehn Mio Euro. Etwa die Hälfte dieser Summe könnte Helgoland durch den Verkauf einer Hafenanlage realisieren.

Da RWE mit dem Bau seines Windparks schnell starten wolle, müssten die nötigen Entscheidungen „bis zum Sommer“ fallen, sagte der Wirtschaftsminister. Hoffnungen setzt de Jager auch in die Werftengruppe Abu Dhabi Mar aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die unter anderem bei den Kieler Howaldtswerken Deutsche Werft (HDW) einsteigen will. Bei einem Treffen mit Schleswig Holsteins Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) und de Jager mit den arabischen Investoren in Abu Dhabi Ende Februar, hätten die Araber auch Interesse am Bau von Spezialschiffen, etwa zur Versorgung von Offshore Anlagen gezeigt, sagte de Jager.

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