China beschleunigt Ausbau erneuerbarer Energien

>> Mar 21, 2010

Aus : Rat für NACHHALTIGE Entwicklung

16.03.2010

China beschleunigt Ausbau erneuerbarer Energien

Die chinesische Regierung plant neue Initiativen zur Beschleunigung einer CO2-armen und nachhaltigen Entwicklung. Dadurch soll der Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 von derzeit 9,9 Prozent auf 15 Prozent steigen. Chinesische Medien berichten, dass dafür milliardenschwere Investitionen vorgesehen sind, Details sollen in den kommenden Wochen offiziell vorgestellt werden. Klare CO2-Minderungsziele lehnt die chinesische Regierung indes weiterhin ab. Es bestehe „keine Absicht“, eine Obergrenze für den CO2-Ausstoß festzulegen, sagte der oberste chinesische Klima-Unterhändler Su Wei der staatlichen Tageszeitung China Daily.

Derzeit sei China dazu nicht in der Lage, sagte Su Ende Februar. Die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch die Emissionen müssten zunehmen, bis die Armut im Land beseitigt sei. Su, der auch Abteilungsleiter für Klimaschutz in der mächtigen chinesischen Entwicklung- und Reformkommission (NDRC) ist, verwies auf den geringen chinesischen CO2-Pro-Kopf-Ausstoß und das von der Regierung während des Weltklimagipfels in Kopenhagen gegebene Versprechen, den CO2-Ausstoß pro erwirtschafteten Yuan bis zum Jahr 2020 um 40 bis 45 Prozent gegenüber 2005 zu senken. In den nächsten beiden Fünfjahresplänen sei dieses Ziel verbindlich, so Su. China Daily berichtet, dass die Hafenstadt Qingdao dazu bereits einige Kohlekraftwerke geschlossen habe.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua plant die Regierung in Peking weitere Gesetze, um den Ausbau erneuerbarer Energien, aber auch der Kernkraft, zu forcieren. Erst vor wenigen Wochen wurden die Netzbetreiber im Land zur Abnahme von Energie aus erneuerbaren Quellen verpflichtet. Der Chef der chinesischen Energieverwaltung, Zhang Guobao, erwartet nun einen Boom bei Wind-, Sonnen- oder Wasserkraftwerken.

China Daily berichtet von Überlegungen zur Einführung einer Umweltsteuer und zum beschleunigten Abbau industrieller Überkapazitäten. So soll die chinesische Bankenaufsicht Kreditinstitute aufgefordert haben, Darlehen für neue Fabriken in besonders energiehungrigen Industrien nur noch nach Prüfung durch die NDRC zu genehmigen. Chinas Premierminister Wen Jiabao kündigte darüber hinaus Anfang März an, sein Land wolle klimafreundlichere Motoren und „intelligente“ Stromnetze entwickeln. Nach Recherchen der amerikanischen Marktforschungsfirma Zpryme investiert die chinesische Regierung in diesem Jahr 7,3 Milliarden US-Dollar in die sogenannten „Smart Grids“, die Energie mit weniger Verlusten transportieren sollen. Die erwarteten chinesischen Investitionen liegen demnach rund 250 Millionen US-Dollar über denen der USA und knapp sieben Milliarden US-Dollar über den deutschen.

Angesichts solcher Vergleichszahlen kommen Experten ins Grübeln: John Doerr, Partner des US-Risikokapitalgebers Kleiner Perkins, befürchtet, dass die USA im Rennen um Marktanteile in der „grünen“ Wirtschaft bereits abgehängt wurden. Der Nachrichtenagentur Thomson Reuters sagte er, die Ergebnisse der chinesischen Politik seien „wirklich atemberaubend“. Er verwies auf Chinas Weltmarktanteil in der Solarindustrie, der in nur drei Jahren von zwei auf 50 Prozent gestiegen sei. Doerrs Fazit: „China gewinnt.“ Die USA dagegen seien „kaum im Rennen“.

Konsequenzen haben Chinas Ambitionen auch für Deutschland. Deutschland droht nach Ansicht von Fachleuten der Verlust seiner guten Position auf den wachsenden Märkten für Klima- und Umwelttechnologien. Davor warnen sieben international renommierte Klima-, Wirtschafts- und Nachhaltigkeitsexperten in dem Gutachten Sustainability made in Germany – We know you can do it. Sie haben darin im Auftrag der Bundesregierung die deutsche Nachhaltigkeitspolitik auf den Prüfstand gestellt.

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