Solarzellen specken ab

>> Mar 21, 2010

Aus : Financial Times ( 18.03.2010)

Solarzellen specken ab

Langsam, aber sicher erobern Dünnschichtmodule den Markt. Sie sind nicht so wirkungsvoll wie klassische Siliziumzellen, aber billiger. Deshalb gelten sie auf dem Markt als chancenreich.

von Sascha Rentzing

Solche Erfolgsgeschichten sind im Moment selten: 66 Prozent mehr Umsatz, 84 Prozent mehr Gewinn und eine Verdoppelung der Produktion auf 1000 Megawatt (MW). Und das im Krisenjahr 2009. Diese beeindruckenden Zahlen legte unlängst das amerikanische Unternehmen First Solar vor – inzwischen der größte Solarmodul-Hersteller der Welt.

Schlüssel zum Erfolg der Solarspezialisten ist die preiswerte Technik, die sie verwenden. Sie ersetzen Silizium, das in gängigen Solarzellen Licht in Strom umwandelt, durch eine hundertmal dünnere Schicht aus Cadmiumtellurid (CdTe). Zwar wandelt dieser neue Halbleiter Sonnenlicht nur mit einem Wirkungsgrad von elf Prozent in Strom um. Er ist also lange nicht so effizient wie Siliziummodule, die etwa 15 Prozent erreichen. Dafür fertigt First Solar das Watt aber inzwischen für 0,63 Euro – und damit viel günstiger als andere Hersteller.

First Solars Errungenschaften gelten als Meilenstein auf dem Weg zur Wettbewerbsfähigkeit des Sonnenstroms. Noch kann die Solartechnik nicht mit konventionellen Energiequellen konkurrieren, da die Herstellung der klassischen Siliziumzellen aufwendig und teuer ist. Siliziumblöcke werden gezüchtet, in Scheiben gesägt und in vielen kleinen Schritten zu Zellen verarbeitet. Nur die wenigsten Firmen fertigen gegenwärtig schon für weniger als 1 Euro pro Watt.

Experten hatten deshalb die sogenannte Netzparität – dass also selbst produzierter Strom nicht teurer ist als herkömmlicher Strom aus der Steckdose – frühestens für 2015 erwartet. "Mit First- Solar-Modulen ist diese Netzparität nun in greifbare Nähe gerückt", sagt Holger Krawinkel, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband. "Die Technik kann Strom bereits für 0,20 bis 0,25 Euro pro Kilowattstunde produzieren." Zum Vergleich: Der aktuelle Strompreis liegt in Deutschland bei rund 20 Cent.

Auf mittlere Sicht werden sich die Amerikaner aber auf wachsende Konkurrenz einstellen müssen. Weltweit haben Wissenschaftler und Ingenieure in den vergangenen Jahren eifrig an Solartechniken geforscht, die weniger Absorbermaterial benötigen und leichter zu produzieren sind als Siliziumzellen. Ihre Entwicklungen kommen nun nach und nach auf den Markt.

Neben CdTe-Paneelen, wie sie First Solar herstellt, bestehen diese Module aus Dünnschichtsilizium oder CIS. Die Abkürzung steht für halbleitende Verbindungen aus Kupfer, Indium und Gallium sowie Selen oder Schwefel. Die amerikanische Firma Abound Solar, eine Ausgründung der Colorado State University, zählt zu den ehrgeizigsten Newcomern.

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