Rechtsrahmen für Stromspeicher: Es gibt viel zu tun!

>> May 07, 2012

 

130 Teilnehmer kamen in Bonn am 27. April 2012 zusammen, um zu diskutieren, wie ein adäquaterRechtsrahmen für Stromspeicher aussehen kann. Das Symposium schloss so an die Tradition der erfolgreichen Rechtsseminare an, die EUROSOLAR unter dem Vorsitz von Dr. Hermann Scheer in den vergangenen Jahren immer wieder zu aktuellen Fragen der Gesetzgebung für Erneuerbare Energien durchgeführt hat. Die Vorträge beschäftigten sich mit der Thematik sowohl aus rechtlicher, technologischer wie planerischer Hinsicht.

Prof. Dr. Ingo Stadler, Mitglied des wiss. Beirats der IRES, hob in seinem Einführungsvortrag hervor, dass derzeit existierende und diskutierte Möglichkeiten zur Speichereinführung wenig zielführend für das Erreichen einer Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien sind. Unter anderem verdeutlichte er, dass die Forderung der Eingliederung in den Spotmarkt der falsche Weg wäre.    

Hier schlägt Stadler einen eigenen Kapazitätsmarkt für Speicher vor. Speicher sollen ihr Geld nicht durch möglichst häufiges Zyklieren verdienen, sondern durch ihre Fähigkeit der Systemdienstleistung honoriert werden. Des Weiteren schlägt Stadler für die Langzeitspeicherung den Ansatz einer Strategischen Stromreserve vor. Diese Speicher sind für die Versorgungssicherheit des Landes unabdingbar und müssen sich nicht an einem Markt etablieren. Abschließend hob Stadler hervor, dass Speicherausbau und Netzausbau keine Konkurrenten und beide für die Energiewende unabdingbar sind.

Auch von technischer Seite wurde das Fazit von Thorsten Müller, Vorstand und wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Umweltenergierecht, geteilt: "Der heute bestehende Rechtsrahmen für elektrische Speicher beschränkt sich auf punktuelle Regelungen und ist nicht durch einen umfassenden Ansatz geprägt. Durch seine Defizite führt er weder zu einer relevanten Entwicklung, noch bietet er eine adäquate Steuerung dieser Entwicklung."  

Source: EuroSolar

Große Einigkeit herrschte zu einem weiteren Punkt: Die Förderung und Markteinführung von Speichertechnologien muss technologieoffen im Sinne des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sein. Zu verschieden sind die Aufgaben und Anforderungen, denen sich die Speichertechnologien künftig stellen müssen. Eine Förderung, die sich nur auf eine Technologie beschränkt oder nur Anreize für die derzeit billigste verfügbare Technologie setzt, birgt die Gefahr eines "Lock-ins" bzw. einer technologischen Sackgasse. Mit einer Förderung, die wie das EEG eine Bandbreite von Technologien voranbringt, schafft man die Voraussetzung für die Bereitstellung geeigneter Lösungen zu demjenigen Zeitpunkt, an dem sie systemisch erforderlich werden.

Es wurde auch offenbar, dass die Marktprämie kein geeigneter Anreizmechanismus für Energiespeicher oder virtuelle Kraftwerke ist. Der Versuch regenerative Stromerzeuger ohne Grenzkosten in einen Grenzkostenmarkt zu integrieren, der für die fossil-atomare Stromerzeugung konzipiert ist, und dessen Preisbildung von den Mehrkosten je erzeugter Kilowattstunde abhängt, kann nicht funktionieren, da die Erneuerbaren Energien den Börsenstrompreis unweigerlich deutlich drücken. Hier ist eine Korrektur durch den Gesetzgeber notwendig.

Das Symposium zeigte darüber hinaus, dass eine isolierte Betrachtung des Stromsektors künftig nicht mehr zeitgemäß ist, ein regeneratives Energiesystem braucht eine holistische Betrachtung von Strom-, Wärme-, und Mobilitätssektor und der entsprechenden Netzinfrastrukturen wie Wärme- und Gasnetze.

Der rechtliche Status-Quo und das weitere Wachstum der Erneuerbaren Energien stellen den Gesetzgeber vor große Herausforderungen, die für eine erfolgreiche Energiewende nun endlich angegangen werden müssen.

Source: Eurosolar

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